Wie Karten in die App kommen: Tiles und Tileserver
Jede Karte in TDM besteht aus quadratischen Kacheln — „Tiles“ —, die ein Tileserver im Internet bereitstellt. Die Welt wird dafür in Zoomstufen unterteilt: Stufe 0 zeigt die ganze Erde auf einer einzigen Kachel, und mit jeder weiteren Stufe wird jede Kachel in vier neue geteilt. Die App lädt immer nur die Kacheln, die gerade im Bildausschnitt liegen.
Dabei gibt es zwei grundverschiedene Arten: Rasterkarten sind fertig gezeichnete Bilder (PNG/JPEG) — sie sehen exakt so aus wie beim Hersteller, lassen sich aber nicht verändern und werden beim Drehen oder Schrägstellen unscharf. Vektorkarten liefern stattdessen die rohen Geometrien: Straßen, Flüsse und Gebäude als Koordinaten. Gezeichnet wird erst auf deinem Gerät, mit einem Stil, der Farben und Schriften bestimmt. Deshalb bleiben Vektorkarten in jeder Zoomstufe gestochen scharf und lassen sich drehen, neigen und umfärben — TDM rendert sie mit der Open-Source-Engine MapLibre.
Siehe auch: Warum die Karten live aus dem Internet kommen · Vektor- vs. Rasterkarten · Kartenlizenzen: Azure, HERE — und warum kein Google Maps
Warum die Karten live aus dem Internet kommen
Könnte man nicht einfach „die ganze Karte“ herunterladen? Die Mathematik dahinter: Mit jeder Zoomstufe vervierfacht sich die Kachelzahl. Auf Stufe 20 wäre die Erde in über eine Billion Kacheln zerlegt — die Satellitenansicht der ganzen Welt mit allen 20 Zoomstufen würde viele Petabyte belegen, also Millionen Gigabyte. Mehr, als jedes Handy je speichern kann.
Deshalb bezieht TDM die Online-Karten „live“: Geladen wird nur, was du gerade ansiehst. Damit unterwegs kein Funkloch stört, merkt sich die App jede einmal geladene Kachel im Kachel-Cache, und beim Start einer Navigation lädt sie die Kacheln entlang der Route gezielt vor. Für echte Offline-Gebiete gibt es zusätzlich die Offline-Karten — kompakte Pakete pro Region.
Siehe auch: Wie Karten in die App kommen: Tiles und Tileserver · Gepuffertes Kartenmaterial · So sind die Offline-Karten aufgebaut
Kartenlizenzen: Azure, HERE — und warum kein Google Maps
Nicht jede Karte ist frei: Die Karten von Microsoft Azure Maps und HERE sind kommerzielle Dienste. Jede geladene Kachel und jede Routenberechnung läuft über einen API-Schlüssel und wird den Betreibern bezahlt. Deshalb stehen diese Ansichten (und die zugehörigen Online-Router) nur angemeldeten Nutzern zur Verfügung — im Gast-Modus schaltet TDM auf die freien OSM-Karten um.
Und Google Maps? Google erlaubt die Nutzung seiner Karten ausschließlich über Googles eigene Apps und SDKs. Das Einbinden von Google-Kacheln in eine fremde Karten-Engine wie MapLibre — oder gar das Speichern für den Offline-Gebrauch — verbieten die Nutzungsbedingungen ausdrücklich. Kartenmaterial von Google darf es in TDM daher nicht geben.
Die freien Alternativen sind erstklassig: OpenStreetMap wird von Millionen Freiwilligen gepflegt und ist gerade bei kleinen Straßen und Wegen oft aktueller als die kommerziellen Anbieter.
Siehe auch: Azure Maps · HERE Maps · Routingprofile & Anbieter
So sind die Offline-Karten aufgebaut
Hinter jeder Offline-Region stecken zwei getrennte Pakete, die die App gemeinsam herunterlädt: ein Anzeige-Paket und ein Routing-Paket. Das Anzeige-Paket ist eine Vektorkarte (PMTiles-Format, bis Zoomstufe 14) — es enthält die Geometrien zum Zeichnen. Das Routing-Paket enthält dagegen einen routingfähigen Straßengraphen für die Offline-Routing-Engine Valhalla: Abbiegeregeln, Einbahnstraßen, Geschwindigkeiten. Zeichnen und Routenrechnen brauchen völlig unterschiedliche Datenstrukturen — deshalb die Trennung. Für dich bleibt es ein Eintrag mit einem Download-Knopf.
Dazu kommt die weltweite Basiskarte (Zoomstufen 0–8): Sie liegt als leicht abgedunkelter Untergrund unter deiner Detailregion, damit außerhalb keine graue Leere klafft — die Detailregion hebt sich als hellere Insel ab. Kartenstil, Schriften und Symbole sind fest in der App eingebaut; die Pakete liefern nur Daten.
Siehe auch: Funkloch? Integriertes Offline-Routing · Weltweite Basiskarte · Höhenmodell, Schummerung und 3D · Lokales Kartenmaterial: Routing vs. Anzeige
Höhenmodell, Schummerung und 3D
Das Gelände-Relief („Schummerung“) entsteht aus einem digitalen Höhenmodell: Kacheln, in denen jeder Bildpunkt keine Farbe, sondern eine Höhe kodiert — TDM nutzt die frei verfügbaren AWS-Terrain-Kacheln. Aus diesen Höhen berechnet die Karten-Engine live Licht und Schatten, als stünde die Sonne im Nordwesten: Täler und Grate werden plastisch, ohne dass die Karte selbst verändert wird. Dasselbe Höhenmodell treibt auch das 3D-Gelände an — die Karte wird zur Oberfläche, die sich neigen lässt, mit Globus und Atmosphäre beim Herauszoomen.
Für unterwegs gibt es das Relief auch als Offline-Paket — mit einem Trick: TDM kodiert die Höhen kompakter als das Standardformat (dessen Feinst-Bits nur Rauschen enthalten) und kappt den Meeresboden auf 0 m; so schrumpft das Paket etwa auf ein Sechstel. Zwei Varianten stehen zur Wahl: alle Regionen in mittlerer Auflösung oder Kern-Europa in hoher Auflösung.
Siehe auch: Relief – Gelände sichtbar machen · 3D-Karten und Globus · So sind die Offline-Karten aufgebaut
Die Superkurven-Layer
Das Overlay „Kurvige Straßen“ entsteht in einer eigenen Datenpipeline aus OpenStreetMap: Für jede Straße wird aus ihrer Geometrie ein Kurvigkeits-Score berechnet — je enger und häufiger die Kurven, desto höher. Kreisverkehre, Ampeln und verkehrsberuhigte Abschnitte zählen nicht mit, unbefestigte Straßen fliegen ganz raus. Übrig bleiben drei Stufen: Bernstein (kurvig), Orange (sehr kurvig) und Magenta (extrem kurvig) — eingestuft nach Score und Kurvendichte pro Kilometer, damit weder hügelige Regionen alles fluten noch kurze Serpentinen-Stücke untergehen.
Beim Herauszoomen zeigt die Karte nur die Spitzenklasse, beim Hineinzoomen kommen die weiteren Stufen dazu. Die drei Stufen lassen sich in der Kartenauswahl einzeln schalten — und dieselben Daten füttern auch das KAKIMOTO-Routing.
Siehe auch: KAKIMOTO: das Kurven-Lotto · Der Karten-Katalog
KAKIMOTO: das Kurven-Lotto
KAKIMOTO ist die verspielteste Routing-Option in TDM — ein Kurven-Lotto für Motorradfahrer. Die App plant zuerst eine superkurvige Basisroute zum Ziel. Dann würfelt sie aus den Superkurven-Daten zusätzliche Kurvensegmente in einem Korridor entlang der Route und baut sie so ein, dass sie wirklich durchfahren werden — nicht nur kurz berührt. Ein Umweg-Budget hält die Tour im Rahmen: grob ein Drittel mehr Strecke als die Basisroute.
Das Beste: Jeder Wurf ist anders. Gefällt dir das Ergebnis nicht, würfelst du einfach neu — und bekommst eine neue Kombination aus Kurvenstücken. KAKIMOTO läuft über das Offline-Routing (Valhalla) mit Motorrad-Profil; du brauchst also die Offline-Karten der Region und die Superkurven-Daten.
Siehe auch: Die Superkurven-Layer · Funkloch? Integriertes Offline-Routing · Von Pass zu Pass routen